Bundesheer (Tagebuch)
(Mo., 28. September 1998 bis Do., 27. Mai 1999)


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Zweiter Monat
(Mo., 2. November 1998 bis Mo., 30. November 1998)

29. Tag 34. Tag 39. Tag 44. Tag 49. Tag
30. Tag 35. Tag 40. Tag 45. Tag 50. Tag
31. Tag 36. Tag 41. Tag (Letzter Tag in Kirchdorf) 46. Tag 51. Tag
32. Tag 37. Tag 42. Tag (Versetzung nach Melk) 47. Tag  
33. Tag 38. Tag 43. Tag 48. Tag  

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29. Tag: (Mo., 2. November 1998)

Ein Ehrenzug durch Kirchdorf war das "Highlight" des Tages. Dieser ist hier in Kirchdorf schon fast Tradition geworden. Seit 18 Jahren findet er alljährlich am Allerseelentag statt und seit 15 Jahren ist auch das Bundesheer neben der Gendarmerie, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und der Stadt-Musikkapelle mit dabei. 30 Freiwillige vom Heer und darunter auch ich. Beim hinauf marschieren, auf den Stadtplatz brauchte ich erst einmal eine Zeit wo ich mich an die Musik gewöhnte und in den Takt bzw. in den Schritt kam. Es war nicht nur ärgerlich für mich, sondern auch für alle anderen, besonders, die, die hinter mir marschierten, da sie auch öfter durch mich den Schritt verloren. Aber mit der Zeit ging es dann und unser Zugskommandant war mit uns ganz zufrieden. Bin ja mal gespannt was wir als "Belohnung" dafür bekommen. Dienstfrei am Samstag wäre da schon ideal. Aber ich glaube nicht so recht daran! So ca. 1 ˝ Stunden dauerte das Ganze. Einige Reden, die wieder mal ziemlich lange dauerten, waren da natürlich auch dabei. Und einige Lieder vom Gesangsverein wurden auch noch gesungen. Am Friedhof waren wir auch. Dies war die letzte Station und dann ging es wieder heimwärts, nachdem sich allmählich die einzelnen Verein und Organisationen von uns lösten.
Zwei neue Griffe lernten wir neu dazu: "Ehrenzug präsentiert" und "Ehrenzug vom Gewehr".

Der restliche Tag, also der Vormittag stand im Zeichen des Leersaales. Zivilschutz war das Thema. Vier Stunden lang Gesülze über dieses Thema, was ziemlich langweilig war.

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30. Tag: (Di., 3. November 1998)

In der Früh, nach dem Frühstück und dem Reinigen der Unterkunft, findet ja jeden Tag eine Standeskontrolle im Kasernenhof vor der Unterkunft statt. Nachdem die Ausbildner die "längerdienenden" und die von der Sport-Leistungsgruppe 1 abtreten ließen, ließen sie uns stehen. Und das, obwohl es schon ziemlich kalt war und wir nur im Sportanzug und ohne Feldjacke waren. Die Haube durften wir auch nicht aufsetzen, weil einer von uns diese im Zimmer vergessen hatte. Also standen wir sicher 20 bis 30 Minuten in der Kälte. Angenehm war es sicher nicht. Mir fror jedenfalls, und den anderen natürlich auch. Keine Ahnung warum sie uns alleine hier stehen ließen. Ab und zu kam irgend so ein höheres "Tier" vorbei. Aber die grinsten zum Teil auch nur blöd. Aber dann ließen sie uns doch noch ins Warme, in den Keller. Kurz darauf begann dann das Grundlagentraining. Laufen, laufen und nochmals laufen. Mit dem Laufen hatte ich heute keine besonderen Probleme. Danach die üblichen Dehnungsübungen. Heute nur einen Teil davon. Abschließend noch einige Kräftigungsübungen (Liegestütze, Kniebeugen, usw.)
Die zweite Aktion die mir heute ziemlich auf den Keks ging war das "Kraftfahrzeugexerzieren". Das ist im Prinzip eine ziemlich einfache Sache. Und zwar geht es hier um das Auf- bzw. Absitzen auf bzw. von einem Bundesheer-Lkw. Dazu stellt man sich in einer 4-er Reihe hinter das Fahrzeug und steigt dann jeweils paarweise auf das Fahrzeug auf. Zuerst die beiden inneren und dann die äußeren, dann wieder die zwei inneren der nächsten Reihe, und die äußeren, usw. Bis alle hinten im Wagen sitzen. Dazu gibt es natürlich auch eigene Befehle. Aber im Großen und Ganzen ist es eine ganz einfache Angelegenheit. Es hätte eigentlich genügt, wenn wir es ein oder zweimal "geübt" hätten. Aber nein, wir mussten das Ganze so acht oder neun Mal durchmachen. Aufsitzen. Absitzen. Der ganze Zug wieder in Linie zu drei Gliedern aufstellen. Wieder hinter das Fahrzeug, diesmal zu einem andere, in 4er Reihe aufstellen. Aufsitzen. Wieder absitzen. Dazwischen marschierten wir wieder, zur Abwechslung, eine Runde im Kasernenhof. Die Hauptsache war wohl, dass wir so ca. 1 bis 1 ˝ Stunden beschäftigt waren. Anders kann ich mir diese Aktion nicht vorstellen. Denn was ist schon schwer beim Auf- bzw. Absitzen, dass man es so oft üben muss? Mir ging das jedenfalls ziemlich auf den Keks!
Die restliche Zeit saßen wir wieder im Leersaal. Diesmal hatten wir den ersten Unterricht im Fernmeldedienst. Auf diesem Gebiet werde ich in Melk ja spezieller ausgebildet, da ich mich ja für die Funker und Fernmelder entschieden habe. Deswegen darf ich auch schon früher nach Melk. Nicht wie die meisten anderen am 27. November, sondern schon am 18. Deshalb fällt bei mir auch die Feldwoche weg. Worüber ich gar nicht traurig bin, denn die soll ja ziemlich unbeliebt und hart sein. Um diese Zeit im Freien zu übernachten, darauf bin ich wirklich nicht scharf!

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31. Tag: (Mi., 4. November 1998)

Das Handgranatenwerfen in der Praxis stand heute in der Früh am Programm. Theoretisch haben wir dieses Gerät schon besprochen. Das Werfen dieses "Trumms" ist eigentlich nicht so schwierig. Im liegen ist das Werfen etwas ungut, aber es geht trotzdem, mit Mühe und Not. Im stehen und kniend ist es kein Problem, auch wenn man das Gewehr und den "kleinen" Rucksack (Kampfanzug 2) noch mitschleppen muss. Bevor wir mit dem Werfen zu üben begannen ließen sie uns mit dem ganzen Krempel (Gewehr, Kampfgeschirr und Rucksack) im Laufschritt eine Runde um den Parkplatz und erst dann zur Hindernisbahn laufen, wo wir dann das Werfen übten. Es klingt jetzt vielleicht nicht so besonders schwer oder anstrengend. Aber mit dem Kampfanzug 2 durch die Gegend laufen ist nicht besonders angenehm. Nach dem Granatenwerfen liefen wir im Laufschritt auch wieder zur Unterkunft zurück. Aber diesmal ohne den Umweg über den Parkplatz.
Heute spielten wir zum ersten Mal auch Fußball und Fußballtennis. Ist einmal etwas anderes, etwas "normales", etwas, was nichts mit dem "eigentlichen" Bundesheer zu tun hat. Zwei haben sich dabei verletzt. Sonst ist heute nichts Besonderes geschehen.
Die restliche Zeit verbrachten wir im Leersaal, und um 16:15 Uhr war, wie schon die ganze Woche, Dienstschluss. Was aber nicht heißt dass ich nichts mehr zu tun hatte. Ganz im Gegenteil. Beim Handgranatenwerfen wurde das Gewehr etwas schmutzig und dieser Schmutz musste natürlich entfernt werden, bzw. das ganze andere "Gerümpel" musste gereinigt werden. So wie fast jeden Tag.

Einen Fernseher, besser gesagt einen Aufenthaltsraum gibt es hier in der Kaserne auch. Der Fernseher ist aber nur in der Lage einen einzigen Kanal zu empfangen. Da gibt es wenigstens keine Streitereien was denn gerade angeschaut wird. Zum Aufenthaltsraum gibt es nicht viel zu sagen, es ist ein etwas größerer Raum mit einem Tisch, wo der Fernseher darauf steht, eine uralte Couch, die schon ziemlich kaputt ist, die schon fast auseinander fällt und jeder Menge Sessel und Stühle. Mehr ist in diesem Raum nicht vorhanden.

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32. Tag: (Do., 5. November 1998)

Gefechtsdienst, und das gleich doppelt. Zuerst am Nachmittag, wo wir einiges vorbereiteten, wie zum Beispiel Sperren oder Schützengräben, und dann noch am Abend oder besser gesagt in der Nacht. Ich kam mir vor wie irgend so ein Sträflingsarbeiter, als wir ziemlich schwere Stahlschienen und Holzstämme schlichteten mussten. Vielleicht gehört das ja auch zur Ausbildung dazu, aber so recht vorstellen kann ich mir das nicht! Die haben anscheinend nur jemanden gebraucht, der sie wegräumt. Für einen einzigen sind diese Gegenstände viel zu schwer, also haben sie uns genommen, wir sind ja eine ziemlich große Anzahl an Soldaten. Einen Stationsbetrieb hatten wir hier, das heißt wir durchliefen mehrere Stationen, und die erste war eben diese. Für die zweite mussten wir uns zuerst tarnen. Also wie im Fasching das Gesicht anmalen und den Helm mit Gräsern und Blättern "verzieren". Wozu das gut sein sollte weiß ich zwar nicht, denn das einzige was wir taten, war graben, graben und nochmals graben. Zum ersten Mal also, dass wir auch mal den Spaten benutzten. Das Graben geht dabei ziemlich ins Kreuz weil der Spaten nicht besonders groß ist. Gesund ist das sicher nicht! Die dritte und zugleich auch letzte Station war Panzerbekämpfung mit einem Panzerabschussrohr. Im Unterricht wurde uns dieses Ding näher erklärt, und nun durften wir es auch ausprobieren. Auf Panzer haben wir natürlich nicht geschossen. In unserer Kaserne, hier in Kirchdorf, gibt es diese ja auch gar nicht! Wir haben nur die Handhabung dieses Gerätes geübt, mehr nicht.
Dann ging es zurück zur Kaserne, aber nicht im gehen, nein im Laufschritt. Aber weit bin ich dabei nicht gekommen. Schon nach ein paar hundert Meter ging mir die Puste aus, und ich ging einfach. Einige andere ging es genauso. Auch wenn sie hundertmal "A-u-f-s-c-h-l-i-e-ß-e-n!" brüllten, ich konnte nicht mehr. Ich lief trotzdem nicht! Passiert ist dann doch nichts, ich meine wir bekamen keine Strafe dafür, und vielleicht haben sie es auch eingesehen, da es ziemlich viele waren. Enttarnen mussten wir uns vorher auch noch, obwohl wir die Tarnung ja überhaupt nicht benötigten. Und dafür haben wir uns getarnt, als ob wir sonst nichts zu tun hätten! Das Gesicht musste natürlich auch von der Tarnfarbe befreit werden, denn als "schwarzer" kann ich unmöglich zum Abendessen gehen.
Nach dem Abendessen ging es dann wieder zurück. Diesmal aber mit einem normalen Tempo, im Gehen und nicht im Laufschritt. Tarnen war auch wieder angesagt. Aber diesmal nicht umsonst! Diesmal hatten wir einen "richtigen" Gefechtsdienst. Kontroll- und Sicherungsdienst war wieder angesagt. Also übten wir wieder, wie man fremde Personen, die eine Stelle passieren wollten, überprüft. Dazu gibt es nichts Besonderes zu sagen.
Dann wurde ein Alarm gegeben. Irgendwo über Linz war eine radioaktive Substanz, die vom Wind und Regen hierher getrieben wird! Nein, nein, das haben sie nur so gesagt, in Wirklichkeit war eh nichts geschehen. Das war nur eine Übung. Also setzte ich die ABC-Schutzmaske auf. Den Regenschutz nahmen wir als Schutzanzug, mit dem ich aber allerhand Probleme hatte. Ich fand mich da beim Anziehen überhaupt nicht zurecht, bis ich Hilfe von einem anderen bekam. So marschierten wir dann leise und unauffällig, gefechtsmäßig eben, zur Kaserne zurück. Aber nicht auf einer Wiese, nein, der Ausbildner ließ uns im Fluss (Krems) gehen. Ja, mitten im Fluss. Am Anfang ging es noch, da war er noch nicht so tief, aber ab der ersten tieferen Stelle wurde es dann ziemlich nass in den Stiefeln. Ich weiß nicht warum er uns durch den Fluss marschieren ließ. Es macht ihm anscheinend sehr viel Spaß, uns im Wasser oder Dreck zu sehen! Jedenfalls marschierten wir so zur Kaserne zurück. Und die Schutzmaske drückte .Sie war ja ziemlich eng, damit sie auch wirklich dicht ist. Mir tat der Schädel ziemlich weh. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll! Es tat jedenfalls ziemlich weh und war ziemlich unangenehm. Der einzige Vorteil dieser Aktion war, dass die Schuhe nicht mehr gereinigt werden mussten. Sie wurden schon vom Fluss gesäubert.
In der Unterkunft wartete dann die Dekontamination auf uns. Also das säubern bzw. das entfernen der verstrahlten und verseuchten Wäsche. Duschen mussten wir uns auch noch. Und dann ging es mit dem Sportanzug in den Schutzraum, welcher Platz für insgesamt 192 Personen bietet. Dieser Schutzraum ist wieder in so Art Zimmer unterteilt mit je 18 Schlafmöglichkeiten. Dazu ein Vorraum und ein WC. Jeder dieser Zimmer ist mit einer speziellen Tür verriegelt. Hier putzten wir dann unsere Ausrüstung. Angefangen vom Gewehr, Spaten, bis hin zum Regenschutz, Kampfgeschirr, und was eben sonst noch verschmutzt war. Um Mitternacht war dann Bettruhe, wobei aber immer 3 bis 4 von uns stundenweise aufbleiben mussten. Sie mussten so eine Art Wache oder Charge vom Tag spielen. Ich war zwischen 2 und 3 Uhr an der Reihe. Diese Stunde verging aber ziemlich schnell. So im Großen und Ganzen war dieser Tag ziemlich beschissen. Der Vormittag ging noch, da hatten wir lediglich Unterricht im Leersaal. Aber ab dem Mittagessen war der Tag "zum Kotzen"!

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33. Tag: (Fr., 6. November 1998)

Die restliche Nacht schlief ich im Schlafsack und im Schutzraum ganz gut. Den Vormittag nutzten wir noch zum Wiederherstellen der Spindordnung und zum Reinigen der Ausrüstung, was aber zum Großteil schon gestern Nacht erledigt wurde.
Das Mittagessen wurde heute etwas vorverlegt. Der Grund dafür war, dass wir nach Wels fuhren, wo wir zu einem Festakt eingeladen wurden. Worum es dabei ging, weiß ich nicht so genau. Es ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Etwas "militärisches" war es auf jeden Fall, aber genau weiß ich es nicht! Ich stand mir dabei die Füße in den Bauch. Die ewig langen "Anwesenheitslisten" irgendwelcher Persönlichkeiten oder hohen Tiere, von denen ich eh noch nie etwas gehört habe, oder diese ewig langen Reden, dieses "Herumgesülze" über was weiß ich was, geht mir auch schon ziemlich auf den Keks. Aber so ein Festakt ist besser als irgendwo im Gemüse zu liegen und irgendeinen anderen "Scheiß" zu üben!
Einige der ganz Hohen machten sich wieder ganz besonders wichtig, indem sie eine Ehrenrunde gingen, und dabei wie wild zu jedem Zugskommandanten salutierten und lächelten!
Danach hatte ich Dienstschluss. Auch morgen, am Samstag, habe ich frei, weil ich 2 Überzeitbewilligungen (eine für die gute Leistung bei der Angelobung und die zweite, weil ich beim Ehrenzug durch Kirchdorf dabei war) in eine Halbtages-Dienstfreistellung umgewandelte, und dafür ist ja der Samstag besonders gut geeignet.

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34. Tag: (Mo., 9. November 1998)

Scharfschießen: Diesmal nicht in der Ramsau, wie am 15. Oktober, sondern in Alharting, in der Nähe von Linz. Mit einem so genannten "Motmarsch" gelangten wir zum Schießplatz. D. h. wir fuhren mit den "Bundesheer-Lkw’s" wo wir sozusagen die "Last" waren. Zur Fahrt selbst gibt es nicht viel zu sagen. Diesmal saß ich ganz vorne, bei der "Einstiegsluke". Da es leicht regnete bekam ich den Regen genau ins Gesicht oder das Wasser spritze durch die Plane, wenn der Fahrer stark bremste.
Zum Schießen gibt es nicht viel zu sagen. Diesmal schossen wir eine Übung mit dem Helm und zwar abwechselnd auf zwei Klappscheiben. Das Mindestmaß an Treffern waren bei dieser Übung drei von sechs Versuchen. Wobei aber jede Scheibe mindestens einmal getroffen werden musste. Bei der nächsten Übung mussten wir auf das gleiche Ziel schießen, jedoch nicht mit dem Helm, nein, diesmal mit der Schutzmaske, was besonders unangenehm war. Daher war die Bedingung auch nur jede Scheibe mindestens einmal zu treffen. Auch diese Übung schaffte ich ohne Probleme. Das einzig blöde an diesen beiden Übungen war, dass man die beiden Klappscheiben kaum erkennen konnte. Erst als ich beim Nachbarn sah, wie diese umkippten konnte ich mich so einigermaßen orientieren. Als ich mit den beiden Übungen fertig war ging es wie üblich zum Waffenüberprüfen und zur Bekanntgabe des Schießergebnisses. Danach wartete ich im Regen bis alle mit diesen beiden Übungen fertig waren, was ziemlich lange dauerte. Einige mussten noch die Übungen von früher nachholen. Es wurde auf drei Schießplätzen geschossen.
Als dann endlich alle fertig waren ging es zum Mittagessen, was lediglich aus einer Kaltverpflegung (2 Dosen, Brot und Obst. Das übliche eben) und einem Kanister heißen Tee bestand.
Als letzte Übung mussten wir dann zum ersten Mal auf ein bewegliches Ziel schießen. Bei den bisherigen Übungen schossen wir ja immer auf ein fixes, stehendes Ziel. Diesmal bewegte es sich aber, zwar nicht besonders schnell, aber einfach war es trotzdem nicht. Die Bedingung war, von sechs Versuchen, mindestens zwei Treffer. Also legte ich mich auf die Pritsche. Ach ja, die Anschlagart war bei allen Übungen liegend aufgelegt, d. h. das Gewehr liegt in einer Vorrichtung und man musste nur hinten den Kolben richtig ausrichten und zum richtigen Zeitpunkt abdrücken. Durch den Regen verschmierte es mir die Visiereinrichtung und ich konnte nicht mehr so genau durchsehen. Deshalb hatte ich auch nur einen einzigen Treffer. Ich erreichte also nicht das geforderte Mindestmaß an Treffern und musste somit nachschießen. Beim zweiten Mal, da reinigte ich die Visiereinrichtung etwas besser, traf ich dann viermal und erfüllte somit auch diese Bedingung.
Nach Hause ging es dann auch wieder mit einem Lkw. So gegen 15 Uhr waren wir dann Zuhause, wo wir dann bis 20 Uhr Zeit zum Reinigen des Gewehr und der ganzen restlichen Ausrüstung hatten. Fünf Stunden hatten wir also Zeit zum Reinigen. Das klingt jetzt vielleicht mehr als ausreichend, aber man benötigt diese Zeit, denn dazu kommt ja auch noch das Abendessen, welches heute nicht besonders gut war. Ich war jedenfalls so gegen 19:45 Uhr fertig. Fast vier Stunden benötigte ich also für das Putzen.

Nach Dienstschluss telefonierte ich dann, wie fast immer, mit meinem Schatz. Obwohl ich das Wochenende mit ihr verbrachte fehlt sie mir schon wieder so sehr. Ich vermisse sie so schrecklich. Das Wochenende war wieder total schön und romantisch, einfach wunderbar. Sie ist die liebste Maus die ich habe und die ich kenne!

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35. Tag: (Di., 10. November 1998)

Das Grundlagentraining hatte es heute wieder in sich. Es war eine Mischung aus (Berg)-Lauf und Liegestütze. Wir liefen so ca. einen Kilometer. Dann kam die Meldung "Zum Sport öffnen! Liegestütz-Ausgangsstellung! 5 Wiederholungen!". Also 10 Liegestütze. Dann "Alles auf! Vom Sport schließen!" Danach liefen wir wieder weiter. Das machten wir so ca. viermal. Zwischendurch liefen wir auch einen Berg hinauf. Nach der Hälfte war ich aber schon k.o. und ging ein Stück. Aber nicht lange, denn nach einer Weile kam schon die Aufforderung vom Ausbildner zum Weiterlaufen. Also lief ich wieder ein Stückchen und nach einer Weile ging ich dann den Rest wieder. Oben, am Berg angekommen, verschnauften wir ein wenig, bzw. wir warteten auf die anderen. Als dann schließlich alle oben waren ging es wieder den Berg hinunter. Hinauf und hinunter liefen wir noch auf der Straße, aber den Rest auf der Wiese. Na ja, es ist ja nichts dabei. Das Laufen auf einer Wiese ist ja normalerweise angenehmer als auf einer Straße, aber nicht, wenn das Wasser ziemlich hoch steht und überall Pfützen sind. Teilweise waren sie so groß, dass man gezwungen war hinein zu steigen. Ein umlaufen war unmöglich. Mit nassen Socken herumzulaufen, etwas Bequemeres gibt es ja gar nicht!!!
Als wir dann in der Kaserne waren freute ich mich schon auf die Unterkunft. Auf das Umziehen und auf das Duschen. Aber nein, wir mussten noch zur Hindernisbahn laufen, wo wir noch Kräftigungsübungen machten.

Während wir liefen wurden die Gewehre und die Zimmer überprüft. Gestern haben sie noch gemeint, das diejenigen, bei denen das Gewehr nicht in Ordnung war, bzw. das Zimmer nicht sauber genug ist, dass die dann im Zelt übernachteten. Was war? Wieder eine leere Androhung. Die Liste, bei denen etwas nicht so war wie es sein sollte war ziemlich lange. Von unserem Zimmer standen fünf (insgesamt sind wir sieben im Zimmer!) auf dieser Liste, und darunter auch ich. Gestern habe ich aber ziemlich lange am Gewehr geputzt. So gut ich es eben konnte, aber es war ihnen anscheinend nicht genug. Mich überrascht es nicht mehr. Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass sie bei mir immer etwas finden. Ich soll mir am Freitag nichts vornehmen hat der Zugskommandant gemeint. Mal sehen, ob es am Freitag wirklich eine Nachschulung deswegen gibt.

Heute war auch die Gendarmerie mit einigen Spürhunden in der Kaserne und hatten sämtliche Zimmer auf Drogen überprüft. Gefunden haben sie aber, so glaube ich, nichts. Diese Aktion war natürlich unangekündigt. Ich war echt überrascht als ich während einer Pause auf das Zimmer gehen wollte. Der Hauptmann (unser Kompaniekommandant) persönlich, der ja für die gesamte Kompanie zuständig ist und einige andere vom Kader waren auch in den Zimmern. Gemeinsam mit der Gendarmerie und den Spürhunden.

Ansonst waren wir den ganzen Tag im Leersaal. Am Vormittag war einer vom ÖAMTC hier und faselte über den Straßenverkehr. Parallel dazu gab es die Möglichkeit seinen eigenen PKW kostenlos überprüfen zu lassen. Einige machten davon auch Gebrauch.
Am Nachmittag stand dann Kartenkunde und nochmals Fernmeldedienst auf dem Programm. Damit wir für den morgigen und übermorgigen Orientierungsmarsch gut gerüstet sind.

Um 19:00 Uhr hatten wir dann Dienstschluss.

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36. Tag: (Mi., 11. November 1998)

Erster Orientierungsmarsch am Nachmittag. Am Vormittag gab es noch die letzte Übung zum Funken und zum Übermitteln von getarnten Koordinaten. Danach erfolgte die Truppeinteilung. Insgesamt gab es 6 Trupps. 4 Trupps zu 6 und 2 Trupps zu 7 Mann. Ich hatte die "ehrenvolle" Aufgabe Kommandant der dritten Truppe zu sein. Diese Aufgabe nahm ich aber ganz locker, und tat mir daher auch nicht viel an. Schon bald kristallisierte sich der "wirkliche" Kommandant heraus. Ich war sozusagen nur der, der auf dem Papier stand. Mit der zusätzlichen Ausrüstung neben dem Kampfanzug 2 (Karte, Bussole, Funkgerät, Funkskizze, ...) marschierten wir dann nach dem Mittagessen als letzte von der Kaserne weg. Es marschierten jeweils 2 Trupps (1. mit dem 6., 2. und der 5., und zum Schluss die 3. (also wir) mit dem 4. Trupp) im 10 Minutenabstand. Während die geradzahligen Trupps in die eine Richtung gingen, gingen die ungeradzahligen Trupps in die entgegen gesetzte Richtung. Mit dem Lesen der Karte gab es keine Probleme, ebenso wenig mit dem Orientieren im Gelände und dem Funken. Hatten wir einen Stützpunkt erreicht, so mussten wir in die "Zentrale" (Leitfunkstelle) funken, und denen mitteilen, dass wir diesen erreicht haben. Daraufhin wurde uns ein neuer getarnter Stützpunkt über Funk mitgeteilt. Verirrt hatten wir uns nicht, und die Punkte wurden auch ziemlich rasch gefunden. Anstrengend war nur, als wir ziemlich weit bergauf gehen mussten. Bei einigen Stützpunkten warteten schon einige Ausbildner zur Kontrolle auf uns. Nach über zwei Stunden hatten wir dann alle fünf Objekte gefunden und durften in die Kaserne zurückkehren. Wir hatten diese Aufgabe, also den Orientierungsmarsch als zweitschnellste (von den sechs Trupps) bewältigt. Aber das soll nichts heißen. Denn morgen steht ein etwas längerer am Programm. Der heutige war sozusagen nur einmal zum Üben.
Nach dem Marsch und der darauf folgenden Körperpflege hatten wir Dienstschluss (16:15 Uhr). Das heißt aber nicht dass ich nichts mehr zu tun hatte. Das Gewehr säuberte ich auch noch etwas, denn durch den Regen wurde es etwas nass, auch wenn es nur kurzzeitig und leicht regnete.

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37. Tag: (Do., 12. November 1998)

Orientierungsmarsch, der Zweite. Dieser hatte es aber in sich. Der Marsch von gestern war nichts dagegen. Um 12:45 Uhr marschierte ich mit meinen Männern los. Die Trupp-Einteilung war dieselbe wie gestern. Diesmal waren es zehn Stützpunkte, die wir zu suchen hatten. Den Weg, welchen wir zurücklegten mussten war zwischen 18 und 20 km lang. Also marschierten wir los. Das Marschtempo war nicht besonders hoch. Wir gingen ganz "normal", von Stress war keine Spur. Mit der Zeit bildeten sich bei zwei von meinem Trupp schon Blasen. Sie blieben daher auch ständig zurück, so dass wir ständig auf die Beiden warten mussten. Nach dem zweiten Stützpunkt fing dann einer der beiden zum Jammern an. Aber es half ihm trotzdem nichts. Er musste weiter marschieren, auch wenn es schmerzte, er musste da durch. Beim dritten Stützpunkt kam dann Hilfe für die beiden. Sie wurden von zwei Ausbildnern "ärztlich" versorgt, was uns wiederum viel Zeit kostete. Inzwischen wurden wir auch schon von einem anderen Trupp (wo die meisten Zimmerkollegen von mir waren, und die eine viertel Stunde später von der Kaserne los gingen) überholt. Aber das war mir ziemlich egal. Ich machte mir und meinem Trupp deshalb keinen Stress. Nachdem nun die Blasen der Beiden verklebt und verbunden wurden, ging es weiter. Wir mussten die beiden Verwundeten also mitschleppen. Sie durften nicht hier bleiben. Warum auch? Nach einer Weile ging das ganze Theater wieder von vorne los. Sie jammerten, ließen sich Zeit, und wir mussten ständig auf sie warten. Es war deshalb auch kein Wunder, dass wir als letzte diesen Orientierungsmarsch beendeten und über zwei Stunden Rückstand auf die "Sieger" hatten. Insgesamt benötigten wir so ca. 6 Stunden. Das Anstrengende an dieser "Tour" waren nicht die vielen Kilometer, sondern die vielen Höhenmeter, die wir zurücklegen mussten. Das ging schon ziemlich in die Beine. Den Marsch von gestern haben meine Beine auch noch nicht ganz verkraftet. Aber mit den vielen, kurzen Pausen, die wir aufgrund der zwei Verletzten machen mussten war alles halb so schlimm. Nach jedem gefundenen und erreichten Stützpunkt ging es wieder besser. Das Gute an dieser "Bergwanderei" war die schöne Aussicht auf Kirchdorf. Speziell, als es dann immer dunkler wurde und die Stadt in ein Lichtermeer überging. Das sah echt toll aus. Manchmal fragten wir nach dem Weg, aber im Allgemeinen waren die Ziele nicht besonders schwer. Sie waren auch nicht besonders versteckt, sondern schon von der Ferne sichtbar, zumindest solange es noch hell war. Beim Weg vom Achten auf den neunten Stützpunkt wurde es schon ziemlich dunkel, was die Suche etwas erschwerte. Dieser war schon etwas gefinkelt. Die Orientierung auf der Karte verloren wir zudem auch noch. Deshalb war ein etwas größerer Umweg schon vorprogrammiert. Inzwischen waren alle anderen Trupps bereits in der Kaserne zurückgekehrt. Nur mein Trupp hirschte noch kreuz und quer durch die Gegend. Mit der Zeit kamen wir dann vom Berg in die Stadt zurück, und wir wussten wenigstens wieder wo wir uns befanden. Etwas später erreichten wir dann auch diesen Stützpunkt. Der zehnte war dann auch kein Problem mehr. So gegen 19 Uhr erreichten wir dann schlussendlich, spät aber doch noch die Kaserne, nachdem wir sechs Stunden durch die Gegend "wanderten". Für eine Esspause blieb fast keine Zeit. Aber einmal gönnten wir uns trotzdem eine, damit wir wenigstens ein bisschen essen konnten. Als wir wussten, dass wir schon fix die letzten waren, taten wir uns nichts mehr an und gingen die letzten Kilometer gemütlich. Aber anstrengend war dieser Marsch trotzdem. Kräfteraubend und meiner Meinung nach völlig nutzlos. Der Marsch von gestern hätte zur Übung völlig ausgereicht. Aber nein, wir mussten sinnlos sechs Stunden herummarschieren, noch dazu mit zwei Verletzten, die, die ganze Zeit jammerten und auf die wir ständig warten mussten. Ansonst war der Marsch okay, auch wenn ich ihn für ziemlich sinnlos halte, und er ziemlich anstrengend war.

Der Vormittag war, na ja, ganz okay. Wir übten noch einmal das Orientieren im Gelände mit der Bussole und das Funken. Gestern sindja noch viele Fehler beim Funken passiert. Diese versuchten wir auszumerzen.

Nach dem Marsch stand dann die Ausrüstungspflege, also das Reinigen des Gewehrs und der gesamten restlichen Ausrüstung am Programm. So gegen 23 Uhr kroch ich dann völlig erschöpft und k.o. ins Bett.

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38. Tag: (Fr., 13. November 1998)

Bis auf das Grundlagentraining war der heutige Tag völlig umsonst. Von gestern noch ziemlich müde und k.o. liefen wir zwar keinen Berg hinauf, aber trotzdem ein ziemlich langes Stück. Von einem lockeren Lauf war also keine Rede. Ich hatte heute ziemlich zu kämpfen. Normalerweise macht mir das Laufen nicht viel aus. Ich habe zumindest keine Probleme mit dem Laufen. Aber heute ging es mir ziemlich schlecht dabei. Die Beine waren von den beiden Orientierungsmärschen noch ziemlich schwer. Aber ich kämpfte mich durch und lies mir nichts anmerken. Zum Schluss war ich dann froh, als wir in die Kaserne zurückkehrten. Zwischendurch machten wir einige Liegestütze, weil einige es nicht schafften das Tempo mitzulaufen. Statt dem Warten, wie es normalerweise üblich ist, mussten wir Liegestütze machen. Meine Kräfte waren schon ziemlich am Ende. Also konnte ich diese Liegestütze auch nicht mehr so ordentlich machen, und bewegte meinen Oberkörper nur leicht zu Boden und zurück. Mehr konnte ich echt nicht mehr!

Am Vormittag reinigten wir dann die Funkgeräte, die wir gestern und vorgestern beim Marsch benötigten. Danach besprachen wir ein zweites, größeres Funkgerät. Dieses ist ein ziemlicher Kasten (es wiegt etwa 8 bis 10 kg). Für dieses gibt es auch extra ein Traggerüst, damit man es am Rücken tragen kann. Unter diesem "Kasten" wird dann das "kleine Packerl" (KAZ 2) aufgeschnallt.

Mit der Bussole spielten wir heute auch noch herum.

Ein Vollständigkeitsappell fand heute auch noch statt. Während bei den anderen Zimmern die gesamte Ausrüstung am Bett ausgebreitet wurde, fragte uns unser Gruppenkommandant, ob uns etwas fehlte und schrieb sich die Gegenstände auf, die bei unserer Gruppe nicht mehr vorhanden waren. Mehr war da nicht. Die restliche Stunde hatten wir dann sozusagen Pause.

Ach ja, heute war ja wieder ein ganz besonderer Tag. Der Tag des Geldes. Die Ausbezahlung des Soldes. Etwas mehr als ATS 3900,- (283 Euro) brachte mir das ein. (etwa ATS 3000,- (218 Euro) Monatsgeld, ca. ATS 250,- (18 Euro) für die Tage wo ich nicht Essen war, und der Rest war für die Rückerstattung der Fahrkosten).

Um 16:15 Uhr hatten wir dann Dienstschluss. Eine Nachschulung fand für mich nicht statt. Während wir das Grundlagentraining hatten wurden das Gewehr und das Kampfgeschirr visitiert. Anscheinend hat bei mir alles gepasst, was ich aber ehrlich gesagt nicht so recht glauben kann!

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39. Tag: (Sa., 14. November 1998)

Statt dem normalen Grundlagentraining spielten wir heute zur Abwechslung wieder mal Fußball. Dazu teilten wir uns in vier Gruppen und spielten ein Turnier. Beim ersten Spiel stand ich im Tor und stand daher die meiste Zeit nur so herum. Ab und zu hatte ich was zu tun, aber das war nicht besonders viel. Beim zweiten Spiel war ich dann freiwillig nur Ersatz, weil ich eigentlich überhaupt keine Lust zum Fußballspielen hatte. Ja, das Grundlagentraining kann auch mal ganz locker über die Bühne gehen, wie man heute gesehen hat. Nicht immer nur laufen, laufen und nochmals laufen, und als Abschluss Liegestütze pumpen.
Der zweite "Schwerpunkt" des heutigen Tages war das Exerzieren. Diesmal aber mit Gesang. Ein englisches Militärlied. Der taghabende Ausbildner sang jeweils eine "Lied-Zeile" und wir mussten sie dann laut nach singen. Das erste Mal dass wir singend exerzierten, und na ja es ging so. Ohne Gesang wäre es mir zwar lieber gewesen, aber was soll’s, ich kann mich ja dagegen eh nicht weigern!
So gegen 12 Uhr, nach der üblichen "Samstagsvisite" hatten wir dann endlich Dienstschluss. Diese Woche wäre somit auch geschafft!

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40. Tag: (Mo., 16. November 1998)

Man merkt, dass die Basisausbildung dem Ende zugeht. Denn heute war wieder einmal ein Tag, wo bis auf das Grundlagentraining und etwas Holz- und Waldarbeit (am Nachmittag) nicht viel los war.
Begonnen hat der Tag mit einer Dienstgraderhöhung von unserem Zugskommandantstellvertreter. Er ist jetzt nicht mehr Offiziersstellvertreter, sondern so wie viele andere auch Vizeleutnant. Dafür gab es nach der Flaggenparade auch einen heftigen Applaus vom ganzen Bataillon. Mich ließ das ziemlich kalt. Eine Dienstgraderhöhung. Na und, ist er jetzt Vizeleutnant. Was macht denn das für einen Unterschied. Er bleibt dadurch doch genauso, wie er jetzt zu uns Rekruten ist! Nach Dienstschluss gab es im Soldatenheim deswegen auch kleine "Feier", wo alle, die schon am Mittwoch nach Melk versetzt werden ein Bier von ihm spendiert bekamen. Die anderen gingen natürlich nicht leer aus. Sie bekommen es bei der Lagerwoche, die diese Woche stattfindet. Aber "leider" ohne mich. Ich komme ja schon am Mittwoch nach Melk. An dieser Feierlichkeit nahm ich übrigens nicht teil. Ich hatte keine Lust dazu, und auf ein "Gratisbier" ebenso wenig. Ich bin froh wenn ich die "hohen Tiere", unsere Ausbildner, nicht sehe. Die können mich alle mal. Heute mag der neue Vizeleutnant ja vielleicht ganz okay sein. Aber morgen sieht es da wahrscheinlich wieder ganz anders aus. Statt dem Herumsitzen und dem Saufen im Soldatenheim war ich in der Stadt und kaufte einige Kleinigkeiten, unter anderem ein neues Buch. Mit dem alten Buch ("Im Westen nichts Neues") wurde ich heute fertig. Jetzt lese ich den Roman "Das Urteil" von meinem Lieblingsautor John Grisham.

Das Grundlagentraining war das einzige, was heute etwas anstrengend war. Wir mussten 2,4 km unter 12 Minuten laufen. Zuerst liefen wir gemeinsam gemütlich mit dem taghabenden Ausbildner diese Strecke ab, so dass auch jeder wusste wo er laufen muss. Es gab ja viele Möglichkeiten wie man diese Distanz bewältigen konnte. Das Aufwärmen, also das Dehnen machten wir auch noch gemeinsam. Als wir dann in die Kaserne zurückkamen durften wir uns noch etwas ausruhen und entspannen, bevor wir dann in Gruppen eingeteilt wurden. Und schon ging es mit einem Startkommando (no na! - beim Bundesheer geht nichts ohne Kommando!) los. Bis zur Wache lief ich noch ganz gemütlich. Ich war ziemlich weit hinten. Zu zwölft waren wir. Nach der Wache erhöhte ich dann etwas mein Tempo und überholte die meisten. Dieses Tempo behielt ich dann auch bei und "kämpfte" mich so durchs Feld. So ungefähr nach der Hälfte fing ich dann zu schwitzen an und wurde vielleicht eine Spur langsamer. Ich konnte aber meine Position halten und wurde von niemanden überholt. Wieder in der Kaserne angekommen fingen dann die Ausbildner mit Sprüchen wie "Geben Sie nach mal alles!" an. Aber ich konnte nicht mehr. Ich hatte keine Kraft mehr für einen Endspurt. Völlig k.o. durchquerte ich als Drittschnellster mit einer Zeit von 9 Minuten und 41 Sekunden die "Ziellinie". Ich hatte also das Limit (12 Minuten) klar unterboten. Mehr wollte ich auch nicht, aber ich hätte mir ruhig etwas mehr Zeit lassen können.
Nach dem Duschen und Umziehen mussten wir noch unsere Braut, die Waffe, etwas putzen und nach der Waffenvisite ordentlich einölen, weil wir sie ja demnächst abgeben müssen. In Melk bekommen wir dann eine neue. Einige haben das Einölen etwas übertrieben und etwas zu viel Öl verwendet. Nur damit die, die es dann als nächste bekommen sie erst einmal ordentlich putzen müssen. Damit sie eine Extraarbeit haben.
Den restlichen Vormittag saßen wir dann völlig sinnlos im Zimmer herum.

Am Nachmittag hatten wir zunächst etwas Holzarbeit im Wald zu verrichten während andere die Feldwoche (oder Lagerwoche, wie sie auch bezeichnet wird) vorbereiteten, wo ich ja zum Glück nicht dabei sein werde, leider!
So gegen 14:15 Uhr kamen wir dann wieder zurück und hatten praktisch Freizeit. Offizieller Dienstschluss war aber erst um 16:15 Uhr. Also saßen wir wieder 2 Stunden herum.
Morgen haben wir um 5 Uhr in der Früh einen Alarm und deshalb werde ich heute, nach dem schon üblichen Telefonat mit meinem Schatz, schon etwas "vorpacken", damit ich dann morgen in der Früh keinen Stress habe, und ich mich noch etwas ausschlafen kann.

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41. Tag, letzter Tag in Kirchdorf: (Di., 17. November 1998)

Küchendienst war heute bei mir angesagt. In der Früh wurden wir heute ausnahmsweise um 5 Uhr und von einem Ausbildner persönlich aufgeweckt. Am Dienstplan stand zwar Alarm, welchen man aber nicht wörtlich nehmen durfte. Er diente nur dazu, dass wir das gesamte Gepäck packten, weil ja ein Teil zur Lagerwoche (Feldwoche) fährt und wir, die anderen, morgen nach Melk versetzte werden. Gepackt hatten die meisten schon gestern, um heute in der Früh etwas Zeit zu sparen. Damit kein Stress aufkommt. Die, die nicht auf Lagerwoche fuhren, wurden zu verschiedenen Diensten eingeteilt. Ich und zwei andere zogen das Los, den Küchendienst zu machen. Nein, nein, das hat nichts mit kochen oder Kartoffel schälen zu tun, sondern nur mit dem Reinigen des Geschirrs und den Geräten die zum Zubereiten der Speisen benötigt wurden (Töpfe, Kochlöffel etc.) Beim Kochgeschirr kam ich mir vor, als würde hier für Riesen gekocht werden. Alle Töpfe und auch die meisten Geräte sind ziemlich groß und unhandlich. Bei so großen Mengen geht es ja auch gar nicht anders!
Zuerst nimmt man den Wagen mit den Tabletts und schiebt ihn vom Speisesaal in den Abwaschraum. Hier werden dann die Speisereste in einen riesigen Behälter gekippt und das Besteck in die "Besteckkiste". Die Teller in eigene Kisterl und die Tassen ebenfalls in ein eigenes. Diese werden dann grob abgespült bevor sie mittels Fließband in die Spülmaschine befördert werden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Spülmaschine kommen sie dann gereinigt heraus und werden dann händisch aufgestapelt. Das gleiche gilt auch für die "kleineren" Kochutensilien. Die Großen und Sperrigen müssen mit der Hand gewaschen werden.
Was da alles weggeschmissen wird ist schon ziemlich "brutal". Zum Beispiel ein halber, großer Behälter Nudeln, jede Menge Salat, volle Becher mit Joghurt usw.
Kaum waren wir mit dem Geschirr vom Frühstück fertig durften wir schon Mittagessen und anschließend, nach einer kurzen Pause, fingen wir erneut mit dem ganzen Zirkus an, während die anderen noch aßen.
Den ganzen Tag bis zum Dienstschluss (16:15 Uhr) stand ich heute in der Küche. Es ist zwar keine anstrengende Arbeit, aber eine ziemlich öde. Nur gut, dass ich mich nicht als Küchengehilfe für Melk gemeldet habe, denn lange würde ich diese Arbeit nicht durchhalten. Ständig das Essen bzw. die Essensreste der anderen wegräumen, und dazu noch der Küchengeruch. Sobald man glaubt man ist fertig, weil alles im Raum gereinigt ist, kommen sie schon mit einem neuen Wagen, voll mit Kochgeschirr.
Endlich Dienstschluss. Wurde auch Zeit. Das Reinigen des Geschirrs reicht mir schon völlig. Und das, obwohl ich es nur einen Tag machen musste!

Heute verirrten sich die ersten Schneeflocken vom Himmel auf den Boden. In der Früh, als wir zum Frühstück gingen, merkte man noch gar nichts vom Schnee. Der Kasernenhof war noch schneefrei, ebenso, wenn man aus den Fenstern sah. Nach dem Frühstück fing es dann heftig zu schneien an, und es hörte den ganzen Tag nicht auf. Ich persönlich finde den Winter ziemlich schön und romantisch. Aber auch nur, wenn es nicht allzu kalt ist. Ich finde es schön wenn die Schneeflocken herunter tanzen, wenn die Bäume, Sträucher und Dächer mit dicken Schneeschichten bedeckt sind. Das ist doch ein schöner Anblick. Arm sind nur die, die zu diesem Zeitpunkt, die ganze Zeit draußen im Freien bleiben müssen, oder die dort zelten.

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42. Tag, Versetzung nach Melk: (Mi., 14. November 1998)

Nachdem die letzten Formalitäten erledigt wurden, die Waffe samt Zubehör, die Schutzmaske und das Feldmesser zurückgegeben wurden, nach dem letzten Besuch beim Wirtschaftsunteroffizier (die letzten Fahrkartenrückerstattungen und das abgemeldete Verpflegungssgeld für die letzten Sonn- und Feiertage), und nach den Glückwünschen für Melk von unseren Ausbildnern und sonstigen Kommandanten, ging es nun (endlich) nach Melk, wo wir ja auch eigentlich hingehörten (siehe 1.Tag). Die Fahrt nach Melk war, na ja, wenn man bedenkt, dass wir mit einem Heereskraftfahrzeug fuhren ganz okay. Nur etwas kalt. Hin und wieder fielen ein paar Schneeflocken vom Himmel.
In Melk angekommen ließ man uns zunächst etwas frieren. Man hatte den Eindruck, dass sich für uns niemand zuständig fühlte. Also standen wir eine Weile in der Kälte herum. Dann kamen aber doch noch einige, teilten uns zunächst ein und brachten uns aufs Zimmer. In Kirchdorf hat es mir ehrlich gesagt viel besser gefallen. Alleine schon die Gebäude sind in Kirchdorf um einiges besser. Kein Vergleich zu denen hier in Melk. Okay, die Kaserne ist hier schon ziemlich alt (sie wurde 1913 erbaut!), und die in Kirchdorf ist noch ziemlich neu (etwa 15 Jahre alt). Die Zimmer sind auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Bis zu 22 Mann "wohnen" hier in einem Zimmer. Sie sind aber auch dementsprechend groß! Die Aussicht ist nicht schlecht. Das ist aber auch schon das einzige, was so halbwegs in Ordnung ist! Die Duschen sind in einem anderen Gebäude. Also, ich glaube, was das Duschen betrifft, werde ich mich auf das Nötigste beschränken. Gerade jetzt, wo es eh so kalt ist. Mehr kann ich zu den Gebäuden und allem was so dazugehört noch nicht sagen.
Zu den Ausbildnern und Offizieren bzw. Unteroffizieren kann ich auch noch nicht allzu viel schreiben. Aber der, der für uns zuständig zu sein scheint, scheint ganz in Ordnung zu sein.
Einen altbekannten, nämlich einen ehemaligen Schulkollegen aus der HTL-Zeit traf ich heute auch. Er ist genau am selben Tag wie ich eingerückt, nur mit dem Unterschied, dass ich nach Kirchdorf versetzt wurde, während er die ABA (Grundausbildung) hier in Melk absolvierte. Nach der Befehlsausgabe am Abend unterhielt ich mich kurz mit ihm. Er hatte es etwas eilig und musste noch Abendessen. Apropos Abendessen, ich werde heute noch in die Stadt gehen und dort etwas Anständiges essen. Das was wir heute von Kirchdorf mitbekamen war nicht besonders! Und noch dazu vergaßen sie, uns etwas Brot oder Gebäck mitzugeben.

Endlich, jetzt ist es fix. Die Grundausbildung (ABA) ist vorbei. Ich hoffe nur, dass es jetzt angenehmer wird. Dass das herumkommandiert werden ein Ende nimmt. Dass man wieder etwas menschlicher behandelt wird. Na ja, so schlimm waren die 7 ˝ Wochen auch wieder nicht, aber hin und wieder haben sie es schon etwas übertrieben. Im Großen und Ganzen war es, bis auf einige Ausnahmen ganz okay. Die Gefechtsdienste hasste ich am meisten. Speziell das Tarnen, die Übung im Schutzraum, die Bewegungsarten, die Orientierungsmärsche, bzw. das marschieren allgemein. Ich hoffe das alles hat jetzt ein Ende.

Ab morgen beginnt die Ausbildung zum Fernmelder, die die meiste Zeit im Leersaal stattfinden soll, zumindest am Anfang, die nächsten drei Wochen.

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43. Tag: (Do., 19. November 1998)

Der erste, ganze Tag in Melk. In der Früh, gleich nach der Standeskontrolle, wurden wir zu den verschiedenen Funktionen eingeteilt. Ich kam, wie schon erwähnt, zu den Fernmeldern und Funkern. Die Ausbildung erfolgt zunächst einmal ausschließlich im Leersaal. Heute hatten wir die Themen: Aufbau unseres Bataillons, dass hat zwar mit dem Funken direkt nichts zu tun, ist aber dennoch wichtig, da wir ja wissen müssen, mit wem wir bei dieser und jener Aufgabe (Funk-)Verbindung aufnehmen müssen. Die eigentlichen Themen waren: Geheimhaltung, (jeder Bundesheerangehörige ist ja zur Geheimhaltung verpflichtet!), Vor- und Nachteile von Funkverbindungen, usw. Vorher gab es noch eine Vorstellungsrunde.
Einen Kasernenrundgang machten wir heute auch. Besonders groß ist diese Kaserne nicht. Die Kaserne in Kirchdorf ist etwa genauso groß, wenn nicht etwas größer. Dafür sind hier die "wichtigeren" Gebäude (Kommandogebäude, Unterkünfte, Krankenrevier) näher beisammen. Beim Rundgang sah ich auch einige, die, die Pionierausbildung machten. Sie waren gerade mit Holz hacken beschäftigt. Wenn man bedenkt, dass es jetzt, draußen, im Freien ziemlich kalt ist, heute hatte es ziemlich genau Null Grad Celsius, dann bin ich schon froh, dass ich mich für den Fernmelde- bzw. Funkdienst entschieden habe. Ich sitze gemütlich im warmen Leersaal, während die anderen (Pioniere) bei dieser Kälte arbeiten müssen und sich einen herunter frieren! Na klar, gibt es hier viel zu lernen, und es gäbe Funktionen, die "besser" wären, aber ich bin mit dem FM (Fernmelde) – Dienst zufrieden. Heereskraftfahrer hätte mich auch interessiert, aber für diese Funktion wählten Sie nur jene aus, die, die Grundausbildung (ABA) hier in Melk absolvierten. Wir, die nach Kirchdorf versetzt wurden, hatten da also keine Chance. Auch die nicht, die bereits einen zivilen C-Führerschein hatten. Bei den Sanitätern (oder Sanitäter-Gehilfen) war es genauso, dass hätte mich auch interessiert. So blieb dann "nur" mehr der Funk- und Fernmeldedienst als Alternative zur Pionierausbildung. Pionier wollte ich auf keinen Fall werden!

Das Essen: Tja, in Kirchdorf war es besser. Alleine schon deshalb, weil man hier das Feldessbesteck und die Trinktasse selber zum Essen mitnehmen muss. In Kirchdorf gab es das nicht. Obwohl sie es oft angedroht hatten, mit dem eigenen Feldbesteck essen zu gehen, weil irgendwelche Scherzkekse ständig das Besteck verbogen. Es blieb aber immer nur bei Androhungen. In die Tat haben sie es nie umgesetzt!
Das Frühstücksbuffet ist hier nicht so ausreichend wie in Kirchdorf. Heute habe ich zum Beispiel keine Wurst und keinen Käse gefunden.
Das Mittagessen war auch nicht so besonders gut. Vielleicht lag es aber auch nur am Menü, denn es gab Fleisch, worauf ich nicht so besonders stehe. Das Abendessen ging so halbwegs. Mal sehen, wie es morgen wird!

Ach ja, gestern haben wir, als wir das Bettzeug, die Kleiderbügel und die Tasse beim WiUO (Wirtschaftunteroffizier) bekamen, auch noch ein "Geschenk" bekommen. Und zwar eine so genannte "Soldatenbox". Diese beinhaltet Dinge, die jeder Soldat benötigt, und zwar: Rasierer (ganz wichtig, sonst sitzt die Schutzmaske nicht richtig!), dazu eine kleine Dose Rasierschaum, Fußbalsam, Pico bello für den idealen Schuhputz, (auch ganz wichtig, speziell beim Bundesheer), eine Flasche Black Jack, eine Dose Shark-Energy-Drink und eine Dose Red Bull. Dazu noch, ganz besonders wichtig, ein Billy Boy – Das aufregende, andere Kondom (wahrscheinlich für diejenigen, die es ohne Sex hier nicht aushalten und sich in Melk eine "aufreißen" bzw. in einem fremden Bett und nicht alleine schlafen wollen. Was für mich mit Sicherheit nicht zutrifft und auch niemals zutreffen wird. Ich habe ja meinen lieben Schatz, wenn sie auch im Moment ziemlich weit weg ist!) Das wichtigste, für einen Soldaten überhaupt, ist eine Auto-Zeitschrift(!). Ja, ohne Blödsinn! Ich möchte wissen, was dass mit dem "Soldatenleben" zu tun hat!! - Diese Box enthält also lauter wichtige Soldatenutensilien!

Was ich so von den anderen mitbekommen habe, soll die Grundausbildung hier ziemlich locker und lasch gewesen sein. Nicht so "anstrengend" wie in Kirchdorf. Die haben hier anscheinend ein lockeres Leben geführt und einige Dinge, die wir machten und lernten, machten sie hier anscheinend gar nicht.

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44. Tag: (Fr., 20. November 1998)

Praktisch saßen wir, der FM-Zug (Fernmeldezug), heute den ganzen Tag im Leersaal. Ich komme mir vor wie in der Schule. Den ganzen Tag Unterricht. Nur mit dem Unterschied, dass wir hier nach Unterrichtsende (bzw. nach Dienstschluss) nicht nach Hause dürfen. Außer man hat einen Überzeitschein. In einem Internat kann es auch nicht viel anders sein!
Da wir morgen dienstfrei haben, hörte der Unterricht so gegen 14:30 Uhr auf, und wir hatten Putzdienst. Zuerst den FM-Leersaal, die Kanzleien, den Lagerraum und zum Schluss noch unser Zimmer mit dem dazugehörigen Außenreinigungsbereich, das WC im zweiten Obergeschoss.

Hier in Melk, und wahrscheinlich in anderen Kasernen ebenso, ist es üblich, dass der Hauptmann oder Major, je nachdem wer eben der Kompaniekommandant ist, bei der Standeskontrolle am morgen "Guten Morgen Kompanie!" schreit. Und wir, die Rekruten dieser Kompanie schreien dann "Guten Morgen Hauptmann!" bzw. "Guten Morgen Major" zurück. In Kirchdorf war das nicht so. Deshalb waren ich, und auch die anderen ziemlich überrascht als wir das gestern zum ersten Mal hörten.

Mehr ist heute nicht geschehen. Die Basisausbildung ist zu Ende und ein (hoffentlich) gemütlicher Abschnitt als Fernmelder und Funker beginnt. Es ist schon klar, dass einige Tage dabei sein werden die etwas unangenehm werden. Aber diese werden hoffentlich nicht allzu oft auftreten. Es läuft jetzt alles viel lockerer ab als früher, während der Grundausbildung. Vielleicht liegt es ja auch an Melk, dass hier alles nicht so Ernst genommen wird.

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45. Tag: (Mo., 23. November 1998)

Wieder saß ich den ganzen Tag im Leersaal. Mit einigen Pausen ging es so halbwegs. In die Schule bin ich ja auch immer ganz gerne gegangen! Hier im Leersaal geht es auch nicht anders zu. Der Ausbildner steht oder sitzt vorne und unterrichtet. Der Raum unterscheidet sich auch kaum von einem Klassenzimmer. Mehrere Bänke und Sesseln, Kasten, der mit (zum Teil) geheimen Krempel gefüllt ist, einem Fernseher und Videorecorder. Tafel, Overheadprojektor, und damit es etwas wohnlicher wirkt, noch einige Pflanzen.
Das Thema am Vormittag ging ja noch. Da stand Gerätekunde am Programm. Da besprachen wir die beiden Geräte, mit denen wir am häufigsten zu tun haben werden. Diese beiden Geräte haben wir schon in Kirchdorf während der ABA ziemlich genau besprochen. Der Nachmittag war aber dann total öde. Da hatten wir nichts Besseres zu tun, als sämtliche Symbole, die beim Bundesheer üblich sind, zu besprechen. Angefangen von den so genannten Grundsymbolen, wie etwa Rechteck, über die Waffengattungssymbole bis zu denen, die im Funk- und Fernmeldeverkehr üblich sind. Zum Einschlafen langweilig, und das Beste daran ist, dass wir die meisten davon, die "wichtigsten" auswendig lernen müssen. Am Mittwoch haben wir einen Test darüber. Das kann ja heiter werden!

Um 16:15 Uhr hatten wir dann (endlich) Dienstschluss, aber wir hörten schon so ca. eine dreiviertel Stunde früher auf, damit wir noch etwas Zeit zum Lernen haben.

Das Essen war heute auch nicht besonders. Die Auswahl beim Frühstück oder bei den Getränken ist nicht besonders groß, und die Getränke, was immer das auch sein mag, sind nicht besonders gut!

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46. Tag: (Di., 24. November 1998)

Antennenbau war das Thema der ersten praktischen Übung bei der FM-Ausbildung. Bisher sind wir ja nur im Leersaal gesessen und haben uns von den Vortragenden vollsülzen lassen. Über alles möglich, auch über Dinge, die nicht direkt mit dem FM-Dienst zu tun haben, wie zum Beispiel Aufbau und Gliederung des Pionierbataillons.
Am Abend begann dann der theoretische Teil über die Antennen. Angefangen von einigen theoretischen Erläuterungen über Antennen, Formeln zur Berechnung der Antennenlänge einiger Behelfsantennen, die aus einfachen Materialien (Drahtstücken, Isolierungen) hergestellt werden, bis hin zu den etwas größeren Mastantennen. Anschließend ging es dann praktisch los. Zuerst die große Mastantenne und dann einige Behelfsantennen. Das Zusammensetzen dieser Antennen haben wir im Unterricht genauestens besprochen. Es ist daher auch nicht besonders schwer. Es ist nur etwas Arbeit, und das Spannen des Mastes benötigt eben seine Zeit bis er möglichst senkrecht steht Wenn man noch bedenkt, dass es bereits ziemlich dunkel war und sehr kalt, dann kann man vielleicht verstehen, dass wir, für den eigentlich nicht besonders komplizierten Aufbau, ziemlich lange brauchten. Lampen waren natürlich vorhanden, aber sie halfen trotzdem nicht viel. Als ob man diese Übung nicht am Tag, wo es noch nicht so kalt ist, durchführen könnte! Nein, es musste unbedingt bei Nacht sein, wo es schon ziemlich dunkel ist und man trotz Lampen nicht sehr viel sehen konnte! Nach zirka einer Stunde legten wir den Mast wieder um, bauten die Antenne aber nicht ab, sondern wechselten nur mit denen, die, die Behelfsantennen bauten. Anstrengend ist diese Arbeit zwar nicht und unterwegs waren wir auch nicht. Wir bauten diese Dinger gleich neben dem Leersaal auf. Es war aber ziemlich kalt und trotz Leuchten ziemlich dunkel. So gegen 22:30 Uhr hatten wir dann endlich Dienstschluss und "durften" endlich in die Unterkunft und auch endlich ins Bett kriechen und schlafen.

Das Grundlagentraining (Morgensport ist diesmal weniger passend, weil wir es am Nachmittag hatten!) stand heute auch am Dienstplan, und zum ersten Mal taten wir auch etwas für unseren Körper – wir spielten, nach ein paar Aufwärmrunden um den Sportplatz, Fußball, wobei ich die meiste Zeit das Tor "bewachte", ich war also der Tormann. Grundlagentraining stand zwar schon oft am Dienstplan, aber wir ließen ihn bis jetzt immer (seit ich hier in Melk bin) ausfallen, da es zu eisig und es daher zu gefährlich war. Stattdessen hatten wir immer Unterricht, aber heute "sportelten" wir zur Abwechslung.

Heute, genau heute vor 10 Monaten traf ich mich zum ersten Mal mit meinem Schatz, und seitdem bin ich total glücklich verliebt in sie. Sie fehlt mir deshalb auch so schrecklich. Ich vermisse sie so sehr. Mit ihr kann ich einfach ganz locker über alles möglich quatschen. Ich brauche sie. Ich liebe sie von ganzem Herzen! - das letzte Wochenende war wieder, wie jedes andere auch, wunderschön. Ich sehne mich schon wieder nach dem nächsten Wochenende.

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47. Tag: (Mi., 25. November 1998)

Der Taghabende: Er führt in der Früh den Zug zur Standeskontrolle und vom Leersaal zur Unterkunft und umgekehrt. Er meldet dem Vorgesetzten die Anzahl der angetretenen Soldaten. Kurzum, er ist für diesen Tag für alles verantwortlich. Jeden Tag wechselt das Rad, und heute war eben ich damit an der Reihe. Ausgerechnet bei mir, meinte einer der Ausbildner, dass es, so wie wir es bisher machten, ihm nicht passt. "Wir sind ja nicht die Russen!", hat er gemeint. Und zwar, beim Marschieren zum Leersaal ließ der Taghabende den Zug bis kurz vor die Eingangstür marschieren, dort anhalten und in den Leersaal abtreten. Richtig wäre es, wenn wir an der Türe vorbeigehen. Sind wir weit genug von dieser wieder entfernt, müssen wir einen Bogen machen und wieder zurück bis zur Tür. Danach "links um" und erst dann je nachdem ob wir Unterricht im Leersaal haben, in diesen abtreten oder nicht. Total sinnlos! Was soll’s, so ist das Bundesheer eben!

Zum Unterricht und zum Grundlagentraining (auch heute wieder am Nachmittag, und auch wieder Fußball nach zwei Aufwärmrunden) gibt es nicht viel zu sagen. Nur, dass wir neben dem "normalen Unterricht" einen so genannten "programmierten Unterricht" hatten. Das heißt, wir bekamen ein Heft mit dem Lernstoff und arbeiteten ihn, jeder für sich, durch. Nach fast jeder Seite gab es Prüfungsfragen und auf der Rückseite die jeweiligen Antworten. Zum Schluss gab es dann noch einen Abschlusstest. Natürlich ohne Unterlagen, der auch beurteilt wurde. Das Ergebnis haben wir aber bis jetzt noch nicht erfahren!

Dienstschluss war heute schon um 15:45 Uhr.

Heute sah ich mich einmal in der Stadt Melk um. Na ja, viel gibt es da nicht. Nicht einmal ein Kino, dafür aber ein Stift, das Stift Melk.

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48. Tag: (Do., 26. November 1998)

"Wie macht man aus einem kleinen Tier ein Großes? – Indem man es heiratet! Dann wird aus der lieben, süßen Maus eine blöde Kuh!" – Mit solchen Witzen lockerte einer der Ausbildner den heutigen Unterricht, den wir überwiegend im Leersaal verbrachten, auf. Aber langweilig war der heutige Tag trotzdem! Es hat sich nichts Besonderes getan.
Draußen, im Freien, waren wir auch wieder, für etwa eine halbe Stunde. Da sahen wir uns die Funkgeräte in den Fahrzeugen an. Zerlegten sie in ihre Hauptbestandteile und bauten sie wieder zusammen. Das musste jeder von uns wiederholen. Damit ja jeder mit den Geräten vertraut gemacht wurde und es zerlegen, zusammenbauen und überprüfen konnte, ob alles vorhanden ist. Dazu wurden wir in Trupps eingeteilt. Zu jedem Trupp kam einer dazu, der schon länger bei diesem Zirkus dabei war. Dieser zeigte uns die Ausstattung des Fahrzeuges. Das Schlechte an dem ganzen war nur, dass es ziemlich kalt war. Aber daran muss man sich ja jetzt eh gewöhnen, schließlich kommt ja jetzt die kalte Jahreszeit. Eigentlich mag ich ja den Schnee, solange ich ihn nur sehe! Ich find es schön, wenn alles mit Schnee bedeckt ist, wenn die Dächer, Bäume und Sträucher dicke Schneeschichten tragen. Aber wie gesagt nur wenn ich es so sehe, wenn ich dann selber draußen, in der Kälte stehe, dann, na ja, ich find den Winter trotzdem schön. Er hat immer noch seine Schönheiten und Reize. Es ist aber auch etwas unangenehm, wenn einem kalt ist und friert!

Nach dem Abendessen, um 16:15 Uhr war dann wieder Dienstschluss. Aus irgendeinem Grund war ich heute ziemlich müde und legte mich, nachdem ich einige Seiten las, ins Bett und döste vor mich hin.

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49. Tag: (Fr., 27. November 1998)

Das gesamte N-Gerät (Sturmgewehr samt Zubehör, also Magazintaschen, Hülsenfangsack, K-Gerät, dazu das Feldmesser, die Schutzmaske mit Tasche und auch 3 Helm-Tarnnetze) fassten wir heute aus. Danach putzte ich, wie es für einen Soldaten gehört (ach Scherz!!) sofort die "Buffn", die total eingeölt und deshalb auch total dreckig war.
Bei der Standeskontrolle wurden ich und die meisten anderen aus dem Zimmer "geschockt". Zuerst hieß es, dass wir ein anderes Zimmer beziehen, weil wir ja ab Montag zur Stabskompanie kommen. Aber dann war doch wieder alles ganz anders. Somit "durfte" ich doch im Zimmer bleiben, welches wir ja erst vor kurzem bezogen. Ich brauchte also doch nicht den ganzen Krempel packen und wieder umziehen. Ich frage mich echt wer hier das Sagen hat, auf wen man sich hier verlassen kann. Wenn einer etwas sagt, dann sagt der nächste bestimmt das Gegenteil. Chaos, jawohl, Chaos ist das richtige Wort dafür!

Heute trafen auch die restlichen von Kirchdorf hier ein (Natürlich nur diejenigen von Kirchdorf, die nach Melk versetzte wurden!) Ich habe mich jetzt schon ziemlich an das hier gewöhnt. Na klar gibt es sicher noch Dinge und Angelegenheiten die hier anders als in Kirchdorf sind, aber mit denen werde ich sicherlich auch noch klarkommen!

Sonst hat sich heute nichts Besonderes getan. Das Antennenaufstellen übten wir heute auch wieder zum x-ten Mal und zum Abschluss, vor dem Ausfassen des N-Gerätes reinigten wir noch die Antennenbausätze, den Leersaal und die FM-Lager. Im Leersaal saßen wir heute ausnahmsweise nur sehr kurz!

Wenn ich ehrlich bin, dann vergeht der Tag eigentlich ziemlich schnell. Sobald man sich einmal überwunden hat aufzustehen, sich zu waschen und zu rasieren, und das Frühstück eingenommen hat ist es nur mehr halb so schlimm. Hat man auch schon das Mittagessen und die Mittagspause hinter sich, dann ist der "normale" Diensttag (sprich Dienst bis 16:15 Uhr) schon so gut wie gelaufen!

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50. Tag: (Sa., 28. November 1998)

Diesen Tag hätten sie uns wirklich freigeben können. Das einzige was wir wirklich taten, war das Zimmer und den Gang reinigen. Ansonst wurden wir, da ich ab Morgen nun fix zur Stabskompanie gehöre, im Leersaal, diesmal aber nicht im FM-Leersaal, sondern im KF-Leersaal, mit Dingen vollgelabert, die ich schon zur genüge hörte, bzw. die eh selbstverständlich sind. Angefangen von der Hygiene, Sauberkeit (ganz allgemein und in den Zimmern), Ordnung (z. B. Spind), Haarschnitt und Barttracht, Pünktlichkeit (da gibt es ja einen Spruch: "Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit!"), Adjustierung, Reinigung der Aus-rüstung (Waffe etc.) bis hin zu Alkohol und Drogen. Bei den Drogen kennen sie hier kein Pardon. Da wird voll durchgegriffen.
Sollte es irgendwelche Schwierigkeiten geben, so sind die Vorgesetzten stets bereit zu helfen. Das haben sie zumindest gesagt.

Alle künftigen Samstage sollen frei gegeben werden. Ob es wirklich so ist steht aber noch in den Sternen. Aber ich denke schon, dass sie sich daran halten werden. Jeder von uns Rekruten muss mindestens sechs Mal Charge vom Tag oder Bereitschaft machen, darunter zwei Mal am Wochenende oder an Feiertagen.

All das haben sie uns heute, am Samstag, erzählt. Als ob man das nicht schon gestern vor Dienstschluss erledigen hätte können. So ist der gesamte Samstag dahin. Aber das scheint denen da wohl ganz egal zu sein!

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51. Tag: (Mo., 30. November 1998)

Heute war nichts Besonderes los. Leersaal und ein bisschen ("praktisches") Funken. Um 16:15 Uhr wäre normalerweise Dienstschluss, aber wir haben schon um 15:30 Uhr aufgehört.

Seit gestern Abend haben wir auch einen Fernseher in unserem Zimmer. Langweilig dürfte uns also ab jetzt nicht mehr werden! Es läuft gerade "Kevin – allein zu Haus". Der Fernseher ist zwar nicht besonders groß, aber das macht ja überhaupt nichts. Hauptsache ist, dass wir überhaupt eine haben!

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Autor: Buchgeher Stefan
Erstellt: 27. September 2003
Letzte Änderung: 25. Oktober 2004